Das gab’s noch nie, da könnte ja jeder kommen!

Kurze Anmerkung zu einem Argumentationsfehler aus Anlass der Kimmich-Debatte

Ein Gastbeitrag von Hans-Christoph Loebel

Lesedauer 2 Minuten
Kimmich-Entscheidung: Das gab's noch nie
© Der Ball ist rund

Jetzt ist es also rausgekommen: Der deutsche Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich hat sich bislang noch nicht gegen Covid-19-Erkrankungen impfen lassen.

Prompt werden von den regierungsservilen Medien „Experten“ aufgeboten, die Herrn Kimmich dank seiner Prominenz als Vorzeigeathlet nur mit gebremster Empörung „widerlegen“. Hier soll auf einen grundlegenden Irrtum dieser sogenannten Experten eingegangen werden: Das Argument, dass bisher nach Impfungen „Langzeitwirkungen“ immer schon kurzfristig auftraten. Dabei kann hier sogar offenbleiben, ob das wirklich in der Vergangenheit immer so war.

Entscheidend ist der Argumentationsfehler: Aus dem Umstand, dass sich etwas in der Vergangenheit nicht eintrat, folgt für die Zukunft gar nichts. Der Grund: Es kann immer ein erstes Mal geben. Konkret bedeutet das: Die Impfstoffe gegen Covid-19-Erkrankungen sind noch keine zwei Jahre auf dem Markt. Wie bitte soll es dann schon Studien über spät eintretende Nebenwirkungen geben? Und aus dem Umstand, dass bei anderen Impfstoffen Nebenwirkungen im Allgemeinen recht bald nach der Verabreichung eintraten, folgt für die Impfstoffe gegen Covid-19-Erkrankungen gar nichts.

Ein Einwand der Immunologen: Die Impfstoffe selbst seien seit längerer Zeit bekannt und daher sei auch seit längerer Zeit bekannt, mit welchen Nebenwirkungen in welcher Zeit und Häufigkeit zu rechnen sei.

Was nicht war, kann auch in Zukunft nicht sein

Es mag sein, dass die Impfstoffe seit längerer Zeit bekannt sind. Es mag auch sein, dass die Nebenwirkungen der Impfstoffe, soweit sie gegen andere Erkrankungen eingesetzt wurden, seit längerer Zeit bekannt sind. Soweit die Impfstoffe aber gegen Covid-19-Erkrankungen eingesetzt werden, können schon aus zeitlichen Gründen die Nebenwirkungen noch gar nicht in Langzeitstudien erforscht worden sein. Der Einwand wiederholt den bereits angesprochenen Argumentationsfehler: Was bislang nicht war, kann auch in Zukunft nicht sein.

Schon die Alltagserfahrung eines jeden Menschen offenbart den Argumentationsfehler: Oder haben Sie im Leben noch nie etwas zum ersten Mal erlebt?

Ein unsinniger Einwand: Man habe doch hohe Millionen-Beträge für die Erforschung von Nebenwirkungen der Impfstoffe zur Verfügung gestellt. Hoher finanzieller Aufwand sichert nicht die Validität von Studien und ersetzt nicht den für seriöse Studien erforderlichen Zeitaufwand.

Ein sinnvoller Einwand: Es sind erst die häufigen Erfahrungen der Vergangenheit, die uns für die Zukunft entscheidungsfähig machen. Nur dank dieser Erfahrungen gewinnen wir Entscheidungs- und Handlungssicherheit. Das ist im Kern richtig. Richtig ist aber auch, dass wir stets trotz hinreichender Erfahrungen aus der Vergangenheit auf neue Erfahrungen gefasst sind.

Eines aber bleibt sicher: Die Abwägung des Risikos, schwer an Covid-19-Infektionen zu erkranken, mit dem Risiko, durch Covid-19-Schutzimpfungen schwer zu erkranken, trifft der mündige Bürger selbst und lässt sich von Medizinern vielleicht beraten, jedoch nicht bevormunden.

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