Sachbuch: «Herdengesundheit 2022»

Eine Rezension von Eugen Zentner

Lesedauer 5 Minuten

Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen, Lockdown: Weltweit haben Regierungen harte, ja unmenschliche Maßnahmen verhängt, um die Bürger vor einem vermeintlich extrem gefährlichen Erreger zu schützen. Das globale Impfprogramm bildete schließlich den Höhepunkt. Ausgerollt wurde es mit dem Versprechen, endlich eine Herdenimmunität zu bewirken. Der Erfolg lässt bis heute auf sich warten. Für manche Geimpfte hat das Heilsversprechen sogar ernste gesundheitliche Folgen. Immer häufiger ist von schweren Nebenwirkungen zu hören, von Herzmuskelentzündungen, Lähmungen und Krankheiten, die der neuartige Corona-Vakzin verursacht haben soll. Aber gab es zu den Maßnahmen und zu der Impfkampagne eine Alternative? Der Arzt und habilitierte Molekulargenetiker Michael Nehls ist davon überzeugt. In seinem Buch «Herdengesundheit» plädiert er für einen natürlichen Ausweg aus der Krise und setzt dabei in besonderem Maße auf Vitamin D.

Cholecalciferol – Trivialname VITAMIN D3

Nehls Hauptthese ist so simpel wie überzeugend: Für eine immunologisch gesunde Herde stellt das Corona-Virus überhaupt keine Gefahr dar. Wer sich gesund ernährt, Stress vermeidet, sich ausreichend bewegt und die Hände von toxischen Substanzen lässt, braucht nichts zu befürchten. Die eigentliche Ursache für die relativ seltenen Infektionsverläufe liege in einem fehlerhaft agierenden Immunsystem, so der Autor, der diesen Mangel auf einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel zurückführt. Um seine Behauptung zu untermauern, bezieht sich Nehls auf eine Vielzahl von Untersuchungen. Er zitiert aus Beobachtungs- und Interventionsstudien, aus Metaanalysen und evolutionsbiologischen Studien. Was ihm dabei auffällt, ist eine „häufige Korrelation zwischen schweren Krankheitsverläufen und den saisonal niedrigen Vitamin-D-Spiegeln“. Seine Schlussfolgerung lautet daher: „Allein durch Beheben eines Vitamin-D-Mangels wäre eine Corona-Infektion in der Regel nicht mehr als ein harmloser Schnupfen.“

Auseinandersetzung mit Grundbegriffen und Definitionen

Das hört sich nach einer steilen These an. Allerdings verfügt Nehls über sehr viel Berufserfahrung, die ihn zumindest von „Experten“ wie Karl Lauterbach abhebt. Der Arzt und Molekulargenetiker hat – im Gegensatz zum Gesundheitsminister – unter anderem die genetischen Ursachen verschiedener Erbkrankheiten entschlüsselt. Er war an verschiedenen deutschen und internationalen Forschungseinrichtungen tätig. Zwei seiner Entdeckungen veröffentlichte er mit verschiedenen Nobelpreisträgern. Der renommierte US-amerikanische Fachverband für Immunologie hat eine seiner Entdeckungen als „Säule der immunologischen Forschung“ geehrt. Nehls ist also niemand, dem man Unwissenschaftlichkeit unterstellen kann. Er weiß, wovon er spricht – und kann es plausibel darstellen.

Bevor der Molekulargenetiker aber zu seinem eigentlichen Thema kommt, arbeitet er sich auf knapp 160 Seiten an den vielen offiziellen Narrativen rund um das Corona-Virus ab. Dabei geht es zunächst um zentrale Begriffe wie Pandemie oder Inzidenz, deren Definition für viel Verwirrung gesorgt und einen größeren Schaden angerichtet hätten als das Virus. Nehls bemüht sich hier um eine Entzauberung, indem er zum Kern der jeweiligen Bedeutung durchdringt und beispielsweise erklärt, dass die Inzidenz in der Epidemiologie und der medizinischen Statistik der Zahl an Neuerkrankungen entspricht, die in einem bestimmten Zeitraum bei einer definierten Gruppe auftreten. Während der Corona-Krise wurde sie jedoch mithilfe der positiven Testergebnisse berechnet. Diese „Fälle“ seien zudem keine wirklichen Infektionen, betont der Autor und begründet es mit der fehlenden Aussagekraft des PCR-Tests, der sich für diagnostische Zwecke nicht eigne.

Bedenken gegenüber dem Corona-Vakzin

Weitaus intensiver als mit den Auswirkungen des verfehlten Gebrauchs von Begriffen und Definitionen setzt sich Nehls mit der globalen Impfkampagne auseinander; nicht weil er ein grundsätzlicher Impfgegner sei, wie er betont – „im Gegenteil: „Impfungen gegen schädliche Keime, gegen die selbst ein gesundes Immunsystem weitgehend machtlos ist, wie beispielsweise gegen die Erreger von Tetanus, der FSME oder von Ebola, retten Leben“. Seine Bedenken beruhen eher auf seiner Skepsis gegenüber der Annahme, die Herdenimpfung führe zu einer Herdenimmunität. Diese sei schon deswegen nicht zu erreichen, „weil kein Impfstoff die Evolution außer Kraft setzen kann – im Gegenteil, Massenimpfung beschleunigt sogar die Entwicklung neuer Varianten des Corona-Virus“. Das im Schnellverfahren entwickelte Vakzin reduziere lediglich die Symptome, doch es könne nicht verhindern, dass sich das Virus dennoch vermehre und auf andere übergehe.

An solchen Stellen gewinnt Nehls’ Ton an Schärfe. Er prangert vor allem den völlig unwissenschaftlichen Umgang mit dem Problem an, der jegliche Logik vermissen lässt. Das geht so weit, dass seine Kritik in Sarkasmus mündet, aber aufgrund ihres pointierten Wortlauts höchstes Lesevergnügen bereitet: „Deutschland, bekannt für seine Dichter und Denker, ist offensichtlich nur noch am Dichten. Wissenschaftliches Denken hingegen scheint eher zu stören.“ Um es wieder anzukurbeln, erinnert der Autor daran, dass der Corona-Impfstoff die an ihn geknüpften Hoffnungen in vielerlei Hinsicht nicht erfüllt hat. So könnten Genesene beispielsweise erneut erkranken. Außerdem sei der Schutz nur von extrem kurzer Dauer, zumal neue Varianten den veralteten Impfstoff umgingen. Diese und weitere Argumente führt Nehls als unüberwindbare Hürden auf dem Weg zur Herdeimmunität an.

Einfluss auf die Funktion aller Organsysteme

Die primäre Ursache für mangelnden Infektionsschutz, so seine Schlussfolgerung, werde nicht durch Impfen behoben, sondern durch genügend Vitamin D. Es habe gezeigt werden können, bezieht er sich auf eine Studie, „dass in einer Gruppe von COVID-19-Patienten, die schnell ausreichend mit diesem Vitamin versorgt wurden, nach drei Wochen nur noch 20,8 Prozent das Corona-Virus in sich trugen, bei der entsprechenden Kontrollgruppe, die nicht mit Vitamin D versorgt wurde, waren es hingegen noch 62,5 Prozent.“ Da aber im Jahresmittel bei weit über 90 Prozent der Bevölkerung ein Vitamin-D-Mangel vorherrsche, erhöhe sich die Anzahl der Virusträger um etwa Faktor 3. Obwohl die Auseinandersetzung mit dem gesundheitsfördernden Vitamin vergleichsweise kurz ausfällt, geht Nehls durchaus in die Tiefe, indem er dessen biochemische Funktionsweise erläutert oder dessen Quellen nennt.

Bisweilen fallen die Erklärungen etwas zu technisch aus. Es tauchen Begriffe wie „Prohormon“, „Calciol“ oder „Zytokin“ auf. Besonders für Laien macht das die Lektüre streckenweise schwer verdaulich. Doch es gibt auch Passagen, die leicht verständlich sind und in einer einfachen Sprache vermitteln, dass Vitamin D „Einfluss auf die Funktion aller Organsystem“ nimmt. Dieser Mikronährstoff, schreibt Nehls, sei nicht nur essentiell für das Wachstum unserer Knochen und deren Erhalt, sondern auch für das Hirnwachstum und eine gesunde Immunabwehr. In den Wintermonaten komme es wegen der Verdunkelung zu einem saisonalen, teils gravierenden Mangel an Vitamin D. Doch den könne man zum Beispiel mit fettreichem Fisch aus kalten Gewässern ausgleichen.

Nehls’ Grundsatz lautet: „Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles“, womit er sich auf den Ausspruch des französischen Arztes, Chemikers und Pharmazeuten Antoine Béchamp bezieht. Wenn sich also aus einer an sich harmlosen Infektion eine Krankheit entwickele, liege das in erster Linie am Immunsystem. Diese Regel sei schon lange bekannt – genauso wie die immunitätsstärkende Wirkweise von Vitamin D. Die Behebung von dessen Mangel wäre für Nehls eine entscheidende Maßnahme, um die Infektionszahlen weltweit zu senken. Warum wurde dann die Impfung als einziger Ausweg zugelassen? Der Molekulargenetiker vermutet wirtschaftliche wie politische Gründen, mit denen er sich am Schluss seines Buches beschäftigt und dabei Aspekte wie „digitale Überwachung“, „totale Kontrolle“ und „gesellschaftliche Spaltung“ beleuchtet. Auch wenn er in diesen Ausführungen ein wenig von seinem eigentlichen Thema abkommt, legt er plausibel dar, dass es bei der Corona-Krise nicht wirklich um Gesundheit gehen dürfte. Nehls arbeitet das auf eine so präzise und verständliche Weise heraus, dass die vielen Widersprüche, Verzerrungen und Ungereimtheiten offensichtlich werden. Darin besteht eine große Stärke seines Buches.

Buch Cover Herdengesundheit

»Herdengesundheit« von Dr. med. Michael Nehls, 288 Seiten, Softcover, Mental Enterprises Verlag, Vörstetten 2022

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