Der Angriff der Politik auf Pflegekräfte

ein Gastkommentar von Dr. Jörg Uhlig

Lesedauer 3 Minuten
1bis19 - Angriff auf die Pflegekräfte
© Matthias Zomer Pexels

Von Teilen der Politik und der von ihr als wissenschaftlichem Alibi-„Think-Tank“ missbrauchten Leopoldina wird, auf Grund der galoppierender Infektionsrate – die es übrigens dank der Impfung der großen Mehrheit der Bevölkerung so eigentlich gar nicht geben dürfte – nun offen diskutiert, eine Impfpflicht für Pflegekräfte in Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenwohnheimen zu erlassen.1 2

Was verspricht man sich davon bei dieser Personengruppe, die ohnedies seit gut eineinhalb Jahren unter Dauerdruck stehen, und die eben noch als Helden bejubelt wurden (wobei es dann allerdings auch blieb), den Schraubstock anzusetzen?

Diese Idee könnte kontraproduktiv sein, zumal sie in vielen Fällen medizinisch auch nicht angezeigt wäre.

Sehen wir davon zunächst ab, dass bis dato jeder Bürger über seinen eigenen Körper entscheiden darf, auch und im Besonderen, was pharmakologische Eingriffe betrifft.

Sehen wir außerdem davon ab, dass diese Angestellten wissen, dass sie mit diesem ihrem Körper bis ans Ende ihres Lebens werden auskommen müssen, im Gegensatz zu ihrer beschwerlichen Arbeit, die nicht nur jeden Tag mit Dienstschluss endet, sondern auch irgendwann aus Alters- und gesundheitlichen Gründen.

Sehen wir schließlich davon ab, dass es Menschen gibt, die zwar in ihrem Beruf sehr gerne und hingebungsvoll arbeiten, aber ihm nicht alles opfern wollen, auch nicht bürgerliche Grundrechte.

Impfen trotz Immunität?

Es gibt viele Pflegekräfte, die sich aufgrund einer durchlaufenen Infektion mit Sars-Cov-2 gar nicht impfen lassen müssen, weil sie bereits über eine ausgeprägte und lang anhaltende Immunisierung verfügen. Diese Pflegekräfte gelten jedoch deswegen als „ungeimpft“, weil sie die Nadel in den Oberarm verweigern, und nach willkürlich bemessenen sechs Monaten formal aus dem „Genesenen-Status“ herausfallen.3 Nun handelt es sich bei dieser Personengruppe in der Regel um medizinisch ausgebildetes Personal, das recht gut weiß, dass es nach einer überstandenen viralen Infektion über lange Zeit hinweg keiner weiteren Impfung mehr bedarf.

Medizinisch ausgebildetes Personal weiß meist recht genau, dass ein pharmakologischer Eingriff, der medizinisch nicht angezeigt ist, kaum eine positive Wirkung im Sinne der eigentlichen Absicht erzielen kann. Wohl aber fürchten sie, dass sie möglicherweise einhergehende unerwünschte Nebenwirkungen der noch offiziell in der Erprobungsphase befindlichen, neu entwickelten Pharmaprodukte sie treffen könnten. Wirkung also zu 100% bei Null, aber Inkaufnahme eines wie auch immer zu quantifizierenden Risikos unerwünschter Nebenwirkungen?

Man kann also in der Impfablehnung dieser Menschen durchaus eine rationale Entscheidung sehen. Zu ihrer eigenen Sicherheit, und auch zur Sicherheit der ihnen anvertrauten Patienten und Bewohner der Pflegeeinrichtung. Also das schiere Gegenteil der ihnen in der Debatte unterstellten Nachlässigkeit oder Verantwortungslosigkeit.

Verschärfung des Personalmangels

Es gilt zu bedenken: Wenn der Gesetzgeber diese Impfpflicht für Pflegende einführt, muss er sich weitreichende Konsequenzen gewärtigen, die kaum die von ihm erwünschte Wirkungen, sondern im Gegenteil negative Konsequenzen für diesen Sektor hätten.

Bleiben die Pflegekräfte nämlich bei der Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, müsste der Arbeitgeber sie vom Dienst mit Patienten oder Einwohnern der Pflegeeinrichtung abziehen, wenn nicht entlassen. Damit fehlen dringend benötigte Arbeitskräfte in Bereichen, die schon seit Jahren personaltechnisch völlig unterbesetzt sind. Die Politik würde damit einen bestehenden Mangel weiter verschärfen. Dass dies kein fiktives Szenario ist, kann man in Ländern beobachten, welche solche Rahmenbedingungen beschlossen haben.4

Die Politik müsste bei einer solchen Entwicklung der Bevölkerung erklären, warum – aufgrund per Verordnung künstlich verknappter Personalauslastung – Krankenhausbetten und gerade auch Intensivbetten abgebaut werden müssen? Sie müsste erklären, warum die Versorgung von Senioren in Pflegeheimen als Folge der Überlastung des restlichen Pflegepersonals – welches, wie man weiß, trotz Impfung durchaus in der Lage bleibt, das Virus weiter zu übertragen – durch diese politische Entscheidung weiter verschlechtert wurde?

1 Corona: Leopoldina-Forscher fordern Impfpflicht für bestimmte Berufe – DER SPIEGEL

2 Coronavirus – Moralischer Druck auf ungeimpfte Pflegekräfte (deutschlandfunk.de)

3 Die Genesenen-Lüge – 1bis19 – Magazin für demokratische Kultur

4 Ungeimpfte Mitarbeiter: Engpässe in Seniorenwohnheimen – Südtirol News (suedtirolnews.it)

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