Warum ich noch ungeimpft bin?

Leser-Kommentar auf die Aktion von Zeit Online:
Noch ungeimpft? Verraten Sie uns, warum!

Von Friedrich Lange, 47, Baden-Württemberg

Lesedauer 3 Minuten
@Pixabay

Zunächst: Vielen Dank für diese Aktion! Es war noch selten so wichtig wie zur Zeit, sich zuzuhören und zu versuchen, den anderen zu verstehen. Es wird fast nur noch über- und kaum noch miteinander kommuniziert. Ihr Aufruf ist somit ein kleiner Schritt zurück in die richtige Richtung – ich hoffe, dass Sie unsere Äußerungen unverfälscht und ohne Wertung wiedergeben.

Ausgangslage: Ich bin kein notorischer Impfgegner – bisher hat die Frage, ob ich mich impfen lasse oder nicht, keine Rolle in meinem Leben gespielt. Ich bin gegen alle Krankheiten geimpft, bei denen in meiner Kindheit eine Impfung empfohlen war, ebenso ist es bei meinen beiden Töchtern (14 und 11 Jahre alt). Allerdings bin ich generell der Meinung, dass man ein hohes Vertrauen in die Wirksamkeit des eigenen Immunsystems haben sollte. Medikamente konsumiere ich deshalb eher zurückhaltend und immer nur dann, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Körper Unterstützung braucht. Ich halte den Weg der natürlichen Heilung generell für den besten.


Meine Einschätzung der Gefahr durch eine Corona-Infektion für mich persönlich: Ich gehöre der Altersgruppe der 40-50jährigen an, habe keine nennenswerten Vorerkrankungen. Nach den offiziellen Daten des RKI sind in dieser Altersgruppe bisher 721 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Bei 539.434 positiv Getesteten in dieser Altersgruppe macht das eine Sterblichkeitsrate von 0,1337%. Unter Berücksichtigung der Untererfassung sinkt das Sterberisiko deutlich unter 0,1% und bewegt sich für meine Altersklasse auf einem niedrigen Niveau nur unwesentlich über der saisonalen Grippe.


Hinzu kommt: Ich habe bereits eine Covid-19-Infektion hinter mir. Diese verlief so mild, dass ich ihre Akutphase nicht einmal bemerkte. Erst als ich wochenlang Geruchs- und Geschmacksstörungen hatte, habe ich einen Antikörper-Test vornehmen lassen, bei dem eine recht hohe Antikörper-Konzentration festgestellt wurde. Die Antikörper sind inzwischen wieder zurückgegangen; allerdings kann ich von einer guten Grundimmunisierung ausgehen, die mich zusätzlich zum statistisch geringen Sterberisiko beruhigt. 


Meine Einschätzung der Impfstoffe: Alle bisher zugelassenen Impfstoffe funktionieren nach einem neuartigen Wirkprinzip, das erstmals in der Fläche eingesetzt wird. Sie wurden in Rekordzeit entwickelt und haben nur eine bedingte Zulassung der EMA. Naturgemäß kann über eventuelle Langzeitfolgen der Impfstoffe noch keine seriöse Aussage getroffen werden – alle Geimpften sind deshalb Teil eines großen „Massentests“ an der Impfung. Ich halte es für durchaus möglich, dass mRNA- und/oder Vektorimpfstoffe eine großartige medizinischen Innovation darstellen; es kann aber auch sein, dass sich warnende Stimmen über eine nachhaltige Beschädigung der Blutgefäße oder eine starke Autoimmunreaktion bei einer Infektion mit Covid-19 bewahrheiten. Diese Stimmen aus der Wissenschaft gibt es, sie finden aber keinerlei Gehör, müssten meines Erachtens aber unbedingt offen diskutiert werden. Dass dies nicht geschieht und dass die fachliche Einschätzung der STIKO bezüglich der Impfung von Kindern von der Politik offen in Frage gestellt wird, macht mich skeptisch.


Diese Skepsis wird verstärkt durch mehrere, teils heftige und ernsthafte Impfreaktionen in meinem erweiterten Bekanntenkreis. In der Zusammenschau zwischen der Einschätzung eines Erkrankungs- oder eines Impffolgeschadenrisikos sehe ich für mich bis auf Weiteres keinen Vorteil durch eine Impfung, sondern vielmehr ein vermeidbares Risiko. Ich erwarte von einer offenen Gesellschaft, dass sie mir diese legitime Abwägungsentscheidung selbst überlässt und mir keine Entscheidung pro Impfung aufzwingt, indem sie diese mit sachfremden Vor- bzw. Nachteilen verknüpft.


Bin ich unsolidarisch, wenn ich mich nicht impfen lasse? Das sehe ich nicht. Wenn die Impfung nur annähernd den Grad an Schutzwirkung entfaltet, der ihr zugeschrieben wird, sind Geimpfte vor schweren Krankheitsverläufen sehr sicher. Dann sind sie durch mich als Ungeimpftem nicht besonders gefährdet, zumal sich die Anzeichen verdichten, dass Geimpfte ähnlich stark infektiös sind wie Ungeimpfte. Da fast jeder geimpft wird, wenn er es wünscht, hat also auch fast jeder die Möglichkeit, den Impfschutz zu erhalten. Meine Impfentscheidung hat dann nur noch eine individuelle und keine gesamtgesellschaftliche Dimension. Etwas anderes gälte nur, wenn das realistische Ziel bestünde, das Virus auszurotten: Dann müsste wirklich jeder mit einem hochwirksamen Impfstoff geimpft werden. Dieses Ziel ist aber nie postuliert worden und laut RKI und allen mir bekannten Äußerungen von Fachleuten auch unerreichbar.


Deshalb ist für mich klar: Niemand kann von mir eine potenzielle Selbstgefährdung durch die Impfung verlangen, die Entscheidung obliegt einzig und allein mir selbst.


Also: Lassen wir nun die Zeit der Reglementierung und Einschränkungen hinter uns und kehren wir endlich zu unserer gewohnten freiheitlichen Ordnung mit solidarisch verstandener Eigenverantwortung in einer toleranten Gesellschaft zurück!

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