„Alles unter den Teppich kehren“ – Eine Aktion gegen das Verdrängen

Von Tina Köhne

Lesedauer 3 Minuten

Bild: Tina Köhne

Die politische Kunstperformance „ALLES UNTER DEN TEPPICH KEHREN“

Am 09. Mai 2026 fand, bei bestem Frühlingswetter und gut besetzter Außengastronomie, die politische Kunstperformance „ALLES UNTER DEN TEPPICH KEHREN“ in Lippstadt auf dem Rathausplatz statt. Ein übergroßer Teppich und eine große Zahl beschrifteter Kartons machten schon von weitem aufmerksam und zogen Blicke auf sich. Sie waren mit gut lesbaren Begriffen wie „Ausgrenzung, Kontaktverbot, Übergriffigkeit, öffentliche Testungen, Absperrbänder, Kindeswohlverletzung“, um nur einige zu nennen, versehen.

Mitglieder des Vereins „Pädagogen für Menschenrechte e.V.“ hatten sich in der westfälischen Kleinstadt getroffen. Wie der Name schon verrät, möchten die Pädagogen aus ganz Deutschland, welche ihren Bildungsauftrag ernst nehmen, daran erinnern, was unseren Kindern und Jugendlichen in der Coronazeit angetan und bis heute nicht aufgearbeitet wurde. Einige Vereinsmitglieder, ausgestattet mit Besen, stellten die Institutionen dar. Sie fegten all die Kartons unter den großen Teppich. Andere bildeten die Gruppe von Menschen, die mit dieser Art des Vorgehens nicht einverstanden war. Sie holten diese Kartons immer wieder hervor, damit sie sichtbar blieben.

Tabus endlich aussprechen

Noch heute leiden viele Kinder an teils schweren psychischen Problemen, welche dringend aufgearbeitet werden müssen. Um eine Heilung dieser verheerenden Wunden zu erreichen, ist es zwingend nötig, die vielfältigen Nöte der Kinder klar zu benennen. Leider ist es bis heute noch immer ein Tabu, die Dinge laut und deutlich auszusprechen. Äußerungen wie „Ist doch jetzt vorbei…“ oder „War doch nicht so schlimm“ fühlen sich falsch an.

Die Kunstperformance fordert daher die dringende Aufklärung und den Dialog mit allen relevanten Institutionen, was auch in der Ansprache einer Pädagogin klar geäußert wurde.

Es soll zurückgeblickt werden, auch wenn es mitunter wehtut oder unangenehm ist. Man bedenke die unmenschlichen Übergriffe der Corona-Maßnahmen auf Kinder und Jugendliche, z. B. durch die Isolationsmaßnahmen. Seit Bestehen der BRD hatte es niemals solche Maßnahmen gegen jegliche Vernunft und gegen die Menschlichkeit gegeben. Viele Verantwortliche hatten diese Anordnungen ohne Kritik durchgesetzt. Die Lehrerin erinnerte daran, dass die kindliche Kommunikation, das Miteinander-Spielen und das soziale Lernen sehr eingeschränkt wurden. Auch gesundheitliche Gefahren wurden in Kauf genommen, wie Atemnot durch das Tragen von Masken (teilweise auch im Sportunterricht). Es wurde an lange geschlossene Schulen, an gesperrte Spielplätze und Einschulungsfeiern mit Masken erinnert. Alle sozialen Institutionen waren daran beteiligt. Sie haben über weite Strecken versagt. Wo war der Blick auf das Kindeswohl und dessen Schutz?

Kritik war damals in allen Punkten unerwünscht. Pädagogen wurden diffamiert und denunziert, wenn sie in Sorge um die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen auf die mangelnde Verhältnismäßigkeit hinwiesen. Dadurch kam es nicht nur vereinzelt zu Dienstaufsichtsbeschwerden, Versetzungen oder gar Disziplinarverfahren. Viele engagierte Pädagogen sind inzwischen aus den verschiedensten Gründen nicht mehr im Dienst.

Die Folgen der unverhältnismäßigen Corona-Maßnahmen

Heute, sechs Jahre später, zeigen sich deutliche Traumatisierungen, Depressionen und Angststörungen bei langen Wartelisten für Therapeuten und vollen Kliniken. Verlorene Lernzeit mit entsprechenden Wissenslücken, die kaum aufzuholen sind, Sprachstörungen sowie gestörtes Sozialverhalten und vieles mehr.

Die „Pädagogen für Menschenrechte“, welche stets mit offenen Augen und Herz ihre Schutzbefohlenen betreuen, sehen die unzähligen fatalen Nachwirkungen der Maßnahmen täglich. Sie wünschen und fordern die Aufarbeitung der vergangenen Jahre mit allen Beteiligten – eine Bestandsaufnahme. Hierzu wurde ein Fragebogen für Kinder und Jugendliche entwickelt, der an einem der Stände der Aktion auslag. Jeder wurde gebeten, sich an dieser Dokumentation der erfolgten Kindeswohlgefährdung zu beteiligen. Im Zeichen der Aufarbeitung und für eine erfüllte Zukunft der Kinder und Jugendlichen gingen die Pädagogen an diesem Tag ein weiteres Mal auf die Straße. Auch die Initiative 1bis19 verlangt eine Offenlegung aller Schäden der Corona-Maßnahmen; wir haben die Pädagogen deshalb gerne vor Ort unterstützt.

Sich des eigenen Verstandes bedienen

Das Argument „Es konnte ja keiner besser wissen!“, ist schon lange entkräftet. Die RKI-Files, welche ebenfalls zur Einsicht auslagen, machten dies deutlich. Ein Wegschauen und Verschweigen stellt keine Option dar. Diese wichtigen Themen dürfen nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Viele Gäste der anliegenden Gastronomie des Rathausplatzes zeigten eher verhaltene Reaktionen auf die Aktion rund um den markanten Teppich. Es wäre ein hoffnungsvolles Erlebnis gewesen, wenn der eine oder andere Gast sich am Hervorholen der Kartons beteiligt hätte.

Unsere Jugend soll im Geiste der Menschlichkeit erzogen werden, so steht es in der Landesverfassung NRW. Die „Pädagogen für Menschenrechte“ werden auch in Zukunft alles dafür tun, dass die jungen Menschen gehört und gesehen werden. Sie werden gestärkt und unterstürzt, wo immer es notwendig sein wird, damit sie den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. In der Welt von Morgen wird das unverzichtbar sein.

Hier gibt es Infos zur Mitgliedschaft bei 1bis19 e.V.

Hier gibt es Infos zu den Pädagogen für Menschenrechte e.V.

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