von der Redaktion
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– © 1bis19 – (KI-Bild von Grok)
Darf ich mich kurz vorstellen? Ich bin weiblich, Ende 60 und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Oma bin ich noch nicht, aber ich wollte auch eine Oma sein – eine Oma gegen Rechts. So ging ich zu dem ersten Ortsgruppentreffen hier im Städtchen, zu dem die Gründerin via Zeitung eingeladen hatte. Es herrschte eine gespannte Atmosphäre im Raum, der sich langsam mit alten deutschen Frauen wie mir füllte. Manche waren als Männer verkleidet und redeten auch so, aber das Selbstbestimmungsgesetz ermöglicht ja zum Glück männliche Teilhabe im Weiberspace. „So werden wir schon nicht zu übermütig mit unserer Gleichberechtigung in unserer Demokratie“, dachte ich dankbar. Eine der beiden Gründerinnen, eine Zahnarztehefrau mit tollen weißen Zähnen, begrüßte uns alle und erzählte von ihrem spannenden Vormittag in der Prosecco-Bar. Dort hatte sie die Bürgermeisterin getroffen, die Kontakt zur Antifa hatte; die Antifa wiederum ist undercover im Telegramkanal von hiesigen Querdenkern unterwegs. In diesem Telegramkanal war zu lesen, dass an diesem Tag das erste Treffen der OMG (OMAS GEGEN RECHTS) stattfinden sollte. Ein Teilnehmer hatte alle anderen aufgefordert, denen (uns) einen Besuch abzustatten.

Wir schauten uns alle panisch an und fragten uns: „Wer ist hier Querdenker unter uns? Vielleicht hat sie sich offenbart? Durch Abzeichen, Sprache, Gestik vielleicht?“ Wir schauten uns die Unterschriften und Anmeldedaten auf der Teilnehmerliste an: Wer hatte mit Heide Heller (HH) unterschrieben, wer hat die Hausnummer 88? Und hatte nicht vorhin ein männlich gelesener Mann sehr leutselig seinen rechten Arm zum Gruß erhoben?
Alle redeten wild durcheinander, ein Chaos setzte ein. Es war die Zahnarztehefrau, die eine Hausnummer 88 bewohnte. Sie berief sich aber auf die Unschuldsvermutung. Heide Heller fing an zu weinen. Es sei nicht fair, als Nazi:in geframt zu werden. Der männlich Gelesene überlegte laut, ob er eine Grüßtherapie machen soll. Das sollte wohl eine Entschuldigung sein. Doch die Ruhe war dahin. Manche packten schon ihre Sachen, um zu fliehen – bis endlich die Erlösung kam:
Ja, jemand war so vorausschauend gewesen, die Polizei zu alarmieren. Und sie war gekommen! Sie hatte vorab bereits den Raum untersucht und keinen einzigen Querdenker gefunden.
20 Omas stießen einen großen Seufzer der Erleichterung aus. Nur eine Ungeimpfte grinste heimlich vor sich hin.