Der Lockdown. Eine neue Religion.

Ein Essay von Clara Riesling, Autorin 1bis19

Lesedauer: 3 Minuten

Die Verfechter des Lockdowns sind in eine religiös aufgeladene Dynamik geraten – und kommen jetzt nicht mehr davon weg. Zu lange schon haben Ihnen die Priester einer bestimmten Wissenschafts-Kaste ihre Lehre eingeimpft. Natürlich gab es von Anfang an Häretiker, die die reine Lehre vom einzig effektiven Corona-Kampf durch den Lockdown nicht hören wollten. Aber so war es immer, auch das Christentum und der Islam mussten viele Widerstände überwinden, bevor auch der letzte Sünder ihre heilbringende Wirkung verstanden hatte. Oder weggesperrt, ausgegrenzt und verteufelt wurde.

Die Lockdown-Religion hat sich folgende Gebote gegeben:

1. Nur das Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens kann das Virus eindämmen oder besiegen.

2. Andere Ansätze, wie das Leben mit Hygiene-Konzepten und freiwilliges Abstandhalten sind ineffektiv und moralisch verwerflich.

3. Wer die Lockdown-Lehre infrage stellt, ist ein Gefährder des Volkes – ein potenzieller Mörder.

4. Wer die Wahrung der Grundrechte in der Verfassung für wichtiger hält als die Sicherung der Volksgesundheit durch den Lockdown, hat das Problem nicht verstanden.

5. Wir hätten ohne den Lockdown bereits jetzt hunderttausende Tote zu beklagen.

Strenggläubige, Gemäßigte und Häretiker

Wie in anderen Religionen auch, gibt es strenggläubige und eher gemäßigte Lockdown-Anhänger. Die Strengen kann man auf der Straße daran erkennen, dass sie eine FFP2-Maske tragen, obwohl sich niemand anderes in ihrer Nähe aufhält. Ähnlich wie Frauen in anderen Religionen können sie mit dem Lob der Strenggläubigen rechnen: Sie ist eine gute Frau, sie schützt sich vor den Blicken der Männer und ist ein Vorbild für andere. Die Maske zeigt ebenfalls an: Ich bin von besonderer Reinheit und besonderem Stolz – ich schütze mich und meine Mitmenschen. Dass draußen keinerlei Ansteckungsgefahr besteht, ist dabei irrelevant. Es geht um die Symbolik.

Die Moderaten erkennt man daran, dass sie die Maskensymbolik nur eingeschränkt mittragen. Sie benutzen die Maske unsachgemäß, stecken sie in die Tasche, tragen sie zu lange (extrem unhygienisch), schieben sie unter das Kinn, setzen sie im Freien ab. Damit zeigen sie: Ich halte mich an die Vorschriften, aber der Sinn einer hygienischen Maßnahme ist und bleibt mir fremd. Damit will ich mich nicht weiter befassen, Hauptsache, ich bekomme keinen Ärger mit der Lockdown-Religionspolizei.

Und dann gibt es die Häretiker. Sie glauben an die Eigenverantwortung der Menschen. Sie sind bereit, Ältere und Risikogruppen zu schützen, wollen dies aber mit anderen Mitteln erreichen als durch den Ruin der Wirtschaft und den Bankrott des gesellschaftlichen Miteinanders. Sie waren früher oft links, wollen jetzt aber die FDP wählen. Sie haben viele Freunde an die Lockdown-Religion verloren. Sie sind desillusioniert, was die Kanzlerin, die Bundesregierung, die Behörden und die Mainstream-Medien angeht. Sie gehen entweder in die innere Immigration oder engagieren sich bei alternativen oder neu gegründeten journalistischen Plattformen. Sie haben kein Interesse an Verschwörungs-Erzählungen, werden aber immer wieder absichtlich oder versehentlich mit deren Anhängern verwechselt.

Der Priester

Die Lockdown-Religion hat einen Hohepriester und Propheten namens Karl Lauterbach. Ähnlich wie Johannes im Neuen Testament weissagt er die Apokalypse, wenn die Menschen Gott bzw. den Lockdown infrage stellen. Die Lockdown-Jünger stützen sich ikonografisch auf die Bilder aus Bergamo zu Beginn der ersten Corona-Welle in Italien. Sie dienen als ewige Mahnung, was unweigerlich auch hier in Deutschland passieren muss, wenn der Lockdown nicht streng eingehalten wird. Warum die Militär-LKWs damals die Toten abholen mussten, nämlich, weil schlecht ausgestattete Krankenhäuser, Heime und Bestatter überlastet und obendrein durch Schutzmaßnahmen in ihrer Arbeit eingeschränkt waren (und praktisch jeder Test-Positive als Corona-Toter galt), wird dabei bewusst nicht erzählt. Wer erzählt auch schon mit, dass Jesus eigentlich von Josef gezeugt und ein uneheliches Kind war – wo er doch für uns am Kreuz gestorben ist.

Die Lockdown-Jünger verweigern den analytischen Blick auf Corona-Erfolgsmodelle in anderen Ländern, wie etwa Schweden. Der schwedische Weg wird weiterhin als Sündenfall verleugnet – obwohl er bis heute zeigt, wie der Kampf gegen eine Epidemie ohne Lockdown erfolgreich sein kann.

Wann beginnt das Zeitalter der Aufklärung?

Die Lockdown-Religion hat sich in zu vielen Köpfen in unserem Land festgesetzt. Sie wird exekutiert und wie der Sozialismus in der DDR auch von den Medien als Auftrag begriffen: Die Menschen werden belehrt, nicht aufgeklärt. Es wird zensiert und diskreditiert.

Ich kann in diesem Sinne nur beten, dass ein neues Zeitalter der Aufklärung beginnt, sobald der Lockdown-Religion der Nährboden entzogen ist. Amen.

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